Achtsamkeit Selbstreflexion Soulspiration

Möglichkeit 3 von 52: den besten Freund beerdigen

52 Wochen-52 Möglichkeiten. Es geht darum jede Woche etwas zu machen, das man noch nie gemacht hat. Jede Woche ein erstes Mal, jede Woche raus aus der Komfortzone und rein ins Leben. 
Das Thema ist alles andere als schön und ich wünschte ich könnte heute über etwas anderes schreiben, aber die Tatsache ist: mein bester Freund starb mit 29 an den Folgen seines Übergewichts. Ich habe diverse Möglichkeiten, in welche Richtung sich dieser Blog-Beitrag entwickeln wird, sicher ist, dass ich es jetzt zu Beginn nicht weiß. Ich weiß nur, dass er sehr persönlich werden wird. Ich möchte so vieles sagen, ich möchte euch von diesem Menschen erzählen, was Freundschaft bedeutet und wie wertvoll das Leben ist. Es ist schwierig, denn ich habe selber gerade keinen Zugang zu meinen Emotionen. Mein Unterbewusstsein kann es nicht zulassen, oder zumindest kann ein Teil von mir einfach nicht verstehen, wieso Menschen plötzlich nicht mehr da sind. Vielleicht werde ich eines Tages in mitten einer banalen Tätigkeit inne halten, aufschauen und sagen “ E. ist tot. Ich war auf seiner Beerdigung.“ Hier soll es nicht direkt um mich und meine Gefühle gehen. Nichts finde ich schlimmer, als das eigene Ego auf Schultern anderer, die nichts dazu sagen können, hochleben zu lassen.  Ich will kein Mitgefühl, keine Bestätigung, mir geht es um etwas anderes. Wenn geliebte Menschen sterben, verändert das einen, der Tod verändert das Leben derer, die zurück bleiben. Ich rede nicht von der Trauer,  die für immer ein Teil des Lebens bleiben wird. Jeder der schon mal jemanden verloren hat, weiß wovon ich rede. Es tut für immer weh. Mal mehr, mal weniger. Aus dem lodernden Schmerz wird ein leises Brennen unter der Haut. Hinter all dem Schmerz, gibt uns der Tod allerdings so viel mehr, als die meisten Menschen ahnen. Er lehrt uns, dass wir alle gleich sind. Egal ob wir reich oder arm, weiblich oder männlich, schwach oder stark sind – am Ende ist niemand von uns unsterblich. Wir alle müssen sterben. Mit der Endlichkeit vor Augen, lehrt uns jeder Verlust etwas. Etwas Individuelles, etwas das man direkt von der Person mit nimmt, die für immer fehlen wird. Meine Mutter beispielsweise hat bis zum Schluss gekämpft, sie hat sich im Angesicht ihres eigenen Todes noch verboten zu weinen. Ich hab von ihr gelernt, dass es wichtig ist zu seinen Gefühlen zu stehen, loszulassen und zuzulassen. Bei E. ist es etwas anderes, nicht weniger wichtiges. Dafür müsst ihr wissen, ich kannte ihn mein halbes Leben. Wir haben die Zeit der vielen ersten Male zusammen erlebt. Haben uns tagtäglich gesehen, sind erwachsen geworden und daraus ist eine Freundschaft entstanden, in der man seltener Kontakt, sich aber immer im Herzen hat. Diese bei denen man sich zum Geburtstag gratuliert und sich ein zweimal im Jahr trifft. Jetzt weiß ich, dass ich mich viel öfters hätte melden müssen. Unser letztes persönliches Gespräch ist schon lange her, Freunde sagen sich die Wahrheit und ich sagte ihm er müsse was tun – für sich. Aber in seinem viel zu kurzem Leben war er ein Mensch der nie für sich eingestanden ist. Er kannte das Wort Nein nicht. Er hat für jeden Menschen, der ihm was bedeutet, alles gegeben. Nur für sich, seine Wünsche und Träume, konnte er nie mit dieser Energie einstehen. Ich denke das ist ein Grund, weshalb er sein Auto so geliebt hat, es gab ihm die Möglichkeit von Freiheit. Als wir jung waren, sind wir stundenlang einfach nur durch die Gegend gefahren.  Ich wünschte wirklich, ich hätte mich öfters gemeldet und seine Not erkannt. Ich hätte als Freundin wissen müssen das er Hilfe braucht. Eine Frage die mich seit der Nachricht seines Todes immer beschäftigt ist das „warum?“ Warum hat niemand, warum hat er das nicht verhindern können? Und wenn ich ehrlich bin, ein Teil von mir ist sauer auf ihn. Ich bin sauer auf ihn, er hätte sich besser um sich kümmern sollen. Er war doch so wertvoll. Ein wertvoller Mensch und Freund. Es wäre vermessen von mir zu behaupten, ich hätte etwas gelernt. Die Wahrheit ist, ich mache durch die Verluste einen Prozess durch, der noch eine ganze Weile andauern wird. Salopp gesagt, man lernt nie aus.Allerdings nehme ich mir etwas mit, was ich mit euch teilen möchte und ich hoffe so sehr das es ankommt.
Ich bin wertvoll. Ich bin vom Leben gewollt und ich bin es wert zu leben!
Jeder einzelne von euch ist es wert zu leben.  Jeder ist es wert gesund zu sein, ihr habt ein Recht auf körperliche und seelische Gesundheit. Ich kenne das Gefühl zu verstummen sehr gut und doch innerlich zu schreien weil man sich einsam, traurig und wertlos fühlt. Niemand muss in dem seelischen Schützengraben ersticken, niemand sollte mit 29 Jahren an Übergewicht sterben, niemand muss (das Leben) alleine durchstehen.  Ihr seid nicht allein, auch wenn euch das so vorkommt. Um Hilfe zu fragen macht euch nicht schwach, ein ‚Nein‘ macht euch nicht zu einem Egoisten. Es zeigt nur das ihr Acht gebt auf einen wertvollen Menschen, es kann Leben retten.

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