Selbstreflexion

Immer wieder Donnerstags oder “Ich bin meine Grenze”

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Auf DieCheckerin.de hatte ich es bereits angekündigt: die Trennung der beiden Blogs ist mir in 2018 nicht so richtig gut gelungen. Das möchte ich in diesem Jahr ändern.

Besonders “fehl am Platz” auf DieCheckerin.de sind meine Erzählungen in “Immer wieder Sonntags” zu den Frauenworkshops von Magdalena Salvato. Seit November 2017 besuche ich diese Workshops regelmäßig, nehme mittlerweile zum zweiten Mal an der Gefährtinnen-Seminarreihe “Freude am Frausein” teil und bin 1 x im Monat zusätzlich im fortlaufenden Aufbaukurs “Königinnen“.

Weil das Schreiben über die Erkenntnisse aus Workshops und Therapiestunden für mich aber gleichermaßen heilsam & festigend ist und es zudem durchaus Leser gibt, die meine Erzählungen interessieren, liegt es nahe, hier einfach den Gegenpol zu “Immer wieder Sonntags” zu kreieren. Da die Workshops und meine Therapie meist Donnerstags statt finden, war die Sache mit der Namensfindung auch relativ einfach, auch wenn der Artikel selbst nicht Donnerstags online gehen wird 🙂 So haben meine Erfahrungen, Erkenntnisse, Ängste oder Probleme, rund um alle Formen der Beschäftigung und Therapie mit & von mir selbst, von nun an einen festen Platz, der deutlich besser zu ihnen passt.


Donnerstag gab es einen neuen Frauen-Workshop-Abend, von dem ich Euch mehr erzählen möchte. Der Abend stand unter dem Thema “Grenzen setzen”. Wir machten unterschiedliche Experimente, um uns unseren eigenen Grenzen bewusst zu werden und diese zu wahren, aber auch einen Schritt darüber hinaus zu gehen.

Mit einem “Nein” meine Grenze zu setzen, fiel mir erstaunlich leicht. Es war eher umgekehrt. Als mein Gegenüber “Nein!” sagte, wurde ich unsicher, fühlte mich verletzt, abgelehnt und wertlos. Mein Gegenüber hatte bei ihrem “Nein!” sofort Sorge, mich zu verletzen. Ganz ähnlich lief es vor einem Jahr mit einer anderen Frau in einer anderen (aber ähnlichen) Übung ab. Auch da hatte mein Gegenüber Angst, mir weh zu tun und ließ das eigene “Nein!” deshalb schwächer ausfallen, während ich mich mit denselben Gefühlen konfrontiert sah, wie gestern.

Beinah jede Form einer gesetzten Grenze nehme ich persönlich und glaube, dass diese Grenze wegen mir gezogen wurde. Selbst wenn jemand nur sagt: “Nein, heute lieber nicht.” Mich macht das unsicher. Hab ich alles richtig gemacht? Bin ICH richtig? Werde ich geliebt? Kann ich das jetzt so machen? Werde ich abgelehnt?

Danach folgen häufig, mir leider all zu bekannte, Glaubenssätze wie: “Ich hab alles falsch gemacht. Ich kann gar nichts. Ich bin nicht (gut) genug. Ich bin nicht richtig. Ich bin nicht liebenswert. Ich bin das nicht wert.” und Gefühle wie Scham, Wut und Traurigkeit kommen auf.

Oft versuche ich etwas zu tun, das mir ggf. nicht entspricht, aber potentiell dazu führen könnte, dass ich von meinem Gegenüber nicht abgelehnt werde. Somit nehme ich in Kauf, für den Moment weniger Ich und mehr meinem Gegenüber entsprechend zu sein.

Zwar habe ich in vielen Situationen aufgehört, nur fremdbestimmt zu handeln und MICH in mein Leben geholt, aber die grundlegende Thematik spielt weiterhin eine relativ große Rolle in meinem Alltag. Aus Angst vor Ablehnung und davor, etwas falsch zu machen oder jemanden zu verletzen, gehe ich häufiger den Weg des geringsten Widerstands.

Ich nehme mich zurück, sorge dafür, dass ich in der Masse unter gehe. Traue mich oft nicht, mich zu öffnen, mich fallen zu lassen, aus mir heraus zu gehen, ganz alleine erste Schritte zu machen und aus der Reihe zu tanzen. Virtuell geht das ganz gut, real eher “geht so”.

Auch im Workshop habe ich ähnlich gehandelt: Wir sollten erst hektisch durcheinander laufen und danach blieben alle an ihrem Platz stehen. Immer eine von uns Frauen durfte dann alleine durch die Reihen gehen. Es folgte die Nächste und wieder die Nächste und so ging es weiter. Immer wieder dachte ich: “Ok, JETZT geh ich los.” aber ich ging nicht. Als niemandem auffiel, dass ich noch nicht gegangen war und die Übung beendet wurde, schwieg ich und war furchtbar enttäuscht von mir. Weil ich eigentlich nicht die Letzte sein wollte. Weil ich eigentlich sagen wollte “Stopp, ich darf auch noch laufen.”. Weil ich eigentlich gesehen werden wollte und doch dafür sorgte, sogar sicher stellte, dass es nicht so ist.

Aus Angst vor Ablehnung, aber irgendwie auch aus Angst vor dem Unbekannten und den Folgen meines Seins, handle ich konträr zu manchen meiner Wünsche. Die meiste Zeit ist mir das mittlerweile bewusst und ich versuche Schritt für Schritt eine andere Richtung einzuschlagen.

Donnerstag konnte ich mir diese “Baustelle” nochmal besser vor Augen führen. Nach diesem Experiment und den daraus folgenden Aha-Erlebnissen konnte ich mich dann in den weiteren Begegnungen deutlich besser fallen lassen und zumuten. Mich hat der Abend gleichermaßen erfüllt und leer zurück gelassen.

Ich habe die tiefe Gewissheit, dass ich auf meinem Weg bin und Zweifel oder Rückschläge gleichermaßen da sein dürfen und müssen, wie der Fortschritt und die Veränderung.

Ich bin meine Grenze. Bis der Knoten platzt.

2 Kommentare

  • Liebe Sandra,
    ich bin irgendwann aus Zufall über deinen Blog gestolpert und habe ihn auch erst gar nicht so für voll genommen bzw habe noch gar nicht so viel dadrauf gestöbert.
    Da ich in letzter Zeit das Stressmonster im Nacken spühre und heute mir einfach mal die Zeit zum lesen genommen habe habe ich einige deiner Artikel gelesen. Die Artikel die ich gelesen habe sprechen mir aus der Seele. Wie ich dich verstehe bzw. wie ich dir nachempfinden kann. Vielen Dank dafür. Diese Artikel haben bei mir etwas bewirkt, etwas wach gerüttelt und ich denke darüber nach WARUM ich manches so tue wie ich es tue. Oftmals braucht es nur einen kleinen tritt um nachzu denken.

    Vielen Dank. und nun werde ich mir noch mal die Zeit nehmen und noch mehr herunstöbern 🙂 Manchmal kommt etwas zu einem das noch nicht 100% passt und dann wenn man es braucht springt es einem wieder ins Gesicht 🙂

    • Liebe Catharina,
      danke für dein Feedback. Es bedeutet mir tatsächlich viel. Vielleicht mehr, als es sollte.
      Das “Ich hab ihn auch erst gar nicht so für voll genommen” begegnet mir in Bezug auf meine Arbeit mit den Blogs sehr oft. Dass jemand mal zugibt, sich geirrt zu haben und sogar Hilfe für sich daraus ziehen konnte, das kam in dieser Form noch nicht vor.

      Schön, dass Du dir die Zeit genommen hast, mal richtig rein zu lesen und dabei sogar was für Dich gefunden hast. Das find ich richtig toll. Schließlich ist das einer der Hauptgründe, weshalb ich das hier mache <3

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